Spezialbehandlung erwünscht: „Jeder Mitarbeiter tickt anders“

Stephan Brunnet hat vielfältige Führungserfahrung. Er war Projektleiter, Teamleiter und ist jetzt geschäftsführender Gesellschafter von softwareinmotion (swim). Als solcher führt er gegenwärtig in einem besonders anspruchsvollen Umfeld. Denn fast 90 Prozent seiner Mitarbeiter sind Softwareentwickler.

IT-Spezialisten sind äußerst gefragte Fachleute, die sich ihren Arbeitgeber aussuchen können. Sie haben in der Regel hohe Ansprüche an Flexibilität, Mitgestaltung und Freiraum. „In diesem Spannungsfeld zu führen, ist eine sehr herausfordernde Aufgabe“, betont Stephan Brunnet. Bevor er 2010 softwareinmotion gründet, ist der Diplom-Informatiker bei Beratungsunternehmen und einem Automobilzulieferer tätig. Schon als junger Projektleiter lernt er viel darüber, wie gute Führung gelingt. Seine Erfahrung nach 18 Berufsjahren fasst er in einem Satz zusammen: „Es fängt alles beim Menschen an.“ Wer nur an wirtschaftliche Kennzahlen denkt, wird nach seiner Meinung keinen Erfolg haben. Für den Geschäftsführer der Urbacher Softwareschmiede müssen die Mitarbeiter mit ihren individuellen Bedürfnissen im Fokus stehen, denn sie sind die wichtigste Ressource.

„Wir pflegen dementsprechend einen sehr persönlichen Umgang, kümmern uns intensiv um jeden Einzelnen und geben gleichzeitig sehr viel Freiraum“, beschreibt Stephan Brunnet den Führungsstil von sich und seinem Mitgesellschafter George Azar. Einen besonderen Schwerpunkt legen die beiden darauf, Aufgaben an die Mitarbeiter zu übertragen, die diese als sinnstiftend bewerten. „Softwareentwickler motiviert man nicht über das Gehalt“, sagt er. „Viel wichtiger ist es, ein gutes Team zu bieten, interessante Projekte, die richtige Infrastruktur und Möglichkeiten zur fachlichen Weiterentwicklung.“ Dafür zu sorgen, sieht der Firmenchef als eine seiner wesentlichen Führungsaufgaben.

Stephan Brunnet, geschäftsführender Gesellschafter

Stephan Brunnet, geschäftsführender Gesellschafter, Foto: softwareinmotion GmbH

„Wer bei uns Führungsaufgaben übernimmt, muss die Fähigkeit haben, Sensibilität für die Kollegen aufzubringen und das Beste aus jedem Einzelnen rauszukitzeln. Der eine Mitarbeiter braucht dafür konkretes Lob, der andere will sich mehr austauschen, ein dritter wiederum wünscht sich eine andere Aufgabe. Eine zusätzliche Herausforderung sind die vielfältigen kulturellen und religiösen Hintergründe im Team, die es zu verstehen und zu moderieren gilt. Um in unserem Sinne gut zu führen, sind deshalb vor allem Menschenkenntnis, Kommunikationsfähigkeit und Empathie erforderlich.“

Es läuft gut für das Urbacher Unternehmen: softwareinmotion beschäftigt zwischenzeitlich 42 Mitarbeiter, Umsatz und Gewinn sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Das rasante Wachstum bedeutet aber gleichzeitig eine Herausforderung für die Führung. „Je mehr Mitarbeiter wir werden, umso schwieriger ist es, unseren individuellen Stil beizubehalten“, beschreibt Brunnet das Dilemma. Die beiden Gesellschafter erkennen irgendwann, dass sie nicht mehr alles selber machen können. Für das Tagesgeschäft übertragen sie deshalb die fachliche Führung an Projektleiter und beschränken sich von nun an darauf, den Überblick über alle Projekte zu haben.

Die Hierarchien bleiben auch in den kommenden Jahren flach. Für Mitarbeiter, die mehr Verantwortung übernehmen wollen, bieten sich neben der Projektleiter-/Projektmanager-Karriere zwei weitere Wege der fachlichen Weiterentwicklung: Wer sich mehr im technischen Bereich zu Hause fühlt, kann sich vom Software-Architekten zum Technical Consultant weiterentwickeln. Und Mitarbeiter, die ihre Stärken im Umgang mit Kunden sehen, können als Requirements Engineer das Anforderungsmanagement von einem oder mehreren Projekten übernehmen.

Am Beginn der fachlichen Führungsverantwortung steht immer ein Basiscoaching mit einem externen Coach. Darüber hinaus geben die beiden Geschäftsführer ihr Wissen aus unzähligen eigenen Führungsworkshops weiter und unterstützen die Mitarbeiter durch regelmäßiges persönliches Feedback. Wem sie aus ihrem Team Führungsverantwortung zutrauen, entscheiden sie anhand ihrer konkreten Beobachtungen im Alltag. Eine Rolle spielt auch, wer von sich aus Ambitionen zeigt.

Eine besondere Bedeutung für die Mitarbeiter- und Unternehmensentwicklung hat die jährliche Klausurtagung „swimEnergy“. Sie ist eine zentrale Plattform, auf der die Belegschaft Ideen zu Produkten, Prozessen und der Unternehmensorganisation einbringen kann. Außerdem geht es immer auch um die Kommunikation und Selbstreflexion der IT-Experten. Als Anregung dienen spezielle Teamaufgaben, die gemeinsam mit einem externen Moderator entwickelt werden. Im letzten Jahr sollten sich beispielsweise alle Mitarbeiter mit einem Gegenstand präsentieren, der sie besonders geprägt hat. Solche Übungen schulen nicht nur die kommunikativen Fähigkeiten, sondern beeinflussen auch die gegenseitige Wahrnehmung und das Verständnis füreinander positiv.

DER REGIONAUT IST NOCH IN DER LERNPHASE