Familienfreundlichkeit bei Menold Bezler: Teilzeit auch für die Kanzlei-Partner

Besprechung

Fotos: Menold Bezler Rechtsanwälte

Die Stuttgarter Wirtschaftskanzlei Menold Bezler hat sich auf die Beratung mittelständischer Firmen und der öffentlichen Hand spezialisiert.  Mit ihren fast 160 Mitarbeitern, darunter 80 Rechtsanwälten und Notariatsassessoren, bietet die Sozietät das umfassende Leistungsangebot einer Großkanzlei und gleichzeitig eine besonders individuelle Betreuung ihrer Mandanten. Seit der Gründung im Jahr 2004 hat sich die Belegschaft der Kanzlei verdreifacht und dabei eine außergewöhnliche Firmenkultur entwickelt. Werte wie Hilfsbereitschaft, Vertrauen, Teamgeist und Fairness sind in den Kanzleileitlinien festgeschrieben – seit einiger Zeit ist auch der Grundsatz der Familienfreundlichkeit im Leitbild verankert. Damit will die renommierte Wirtschaftskanzlei ihren Mitarbeitern die Möglichkeit eröffnen, trotz hoher Anforderungen im Beruf ausreichend Freiräume für die Familie zu schaffen.

Auch bei Neueinstellungen spielt Familienfreundlichkeit eine immer wichtigere Rolle. Um im „war for talents“ die besten Absolventen für sich zu interessieren, setzt Menold Bezler deshalb zusätzliche Anreize, beispielsweise in Gestalt von Zuschüssen zur Kinderbetreuung. Ihre Leistungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bringen der Stuttgarter Wirtschaftskanzlei bedeutende Pluspunkte gegenüber ihren Wettbewerbern ein und wurden bereits mit verschiedenen Auszeichnungen gewürdigt.

Flexible Arbeitszeitmodelle spielen bei Menold Bezler eine besondere Rolle. Von 20- bis 90-Prozent-Verträgen gibt es alle Varianten im Unternehmen, abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter. Eine Besonderheit für die Anwaltsbranche ist es aber vor allem, dass seit Kurzem auch auf Partnerebene eine flexible Arbeitszeitreduzierung möglich ist. Die Stuttgarter Anwaltspartnerschaft will damit ein deutliches Zeichen für gelebte Familienfreundlichkeit setzen. Nach Einführung der Teilzeit-Partnerschaft haben gleich mehrere Kollegen davon Gebrauch gemacht. Einer von ihnen ist der Spezialist für Insolvenzrecht und Sanierungen, Dr. Frank Schäffler (39). Wir sprachen mit ihm über seine Motive und die besonderen Herausforderungen für einen Partner in Teilzeit.

WRS: Herr Dr. Schäffler, bei der Arbeit in einer Wirtschaftskanzlei denkt man automatisch an 12-Stunden-Tage, Wochenendarbeit und eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit. Ist Menold Bezler hier die große Ausnahme?

Dr. Frank Schäffler

Dr. Frank Schäffler

Dr. Frank Schäffler: Wir haben in unserer Kanzlei eine hohe Serviceorientierung und sind immer für unsere Mandanten da. Es gilt die Maxime, dass der Teilzeitjob nicht auf Kosten des Mandanten gehen darf. In meinem Fachgebiet sind die Anforderungen dahingehend sogar besonders hoch, denn bei einer drohenden Insolvenz herrscht grundsätzlich ein außerordentlicher Zeitdruck und ist auch fast immer Gefahr in Verzug. Andererseits legen wir in der Kanzlei Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Existiert Ihr Teilzeitjob dann nur auf dem Papier? Oder wie schaffen Sie es sonst, diese Anforderungen in der Realität zu erfüllen?

Nein. Ich habe auf 80 Prozent reduziert. Das bedeutet, dass ich montags und freitags früher gehe, um Zeit mit meinen drei Kindern zu verbringen. Das kann ich allerdings nur umsetzen, weil ich ein ganz hervorragendes Team habe. Meine Mitarbeiter sind zu einhundert Prozent in die Fälle eingearbeitet und unseren Mandanten auch bekannt. Trotzdem kommt es natürlich vor, dass ein Mandant unbedingt den Partner sprechen will – deshalb bin ich grundsätzlich immer erreichbar.

Das hört sich sehr anstrengend an. Was sind denn die besonderen Herausforderungen einer solchen Teilzeit-Partnerschaft?

Es verlangt Disziplin und natürlich ist der Organisations- und Kommunikationsaufwand deutlich höher als vorher. Ich muss für zahlreiche Situationen im Vorfeld eine Lösung planen. Für den Fall, dass die Mandatsarbeit meine Anwesenheit während meiner Kinderbetreuungszeit erfordert, bietet die Kanzlei seit Kurzem die Möglichkeit, meine Kinder in einem Spielzimmer zu betreuen oder betreuen zu lassen. Insgesamt hat sich die Tätigkeit durch die Arbeitszeitreduzierung verdichtet. Wenn ich früher gehe, kann es auch vorkommen, dass ich auf Rückrufe warte, die ich dann von unterwegs aus bearbeite. Auch die Beteiligung am sozialen Leben der Kanzlei, das ich sehr schätze, ist etwas zurückgegangen. Der Anspruch an die Selbstverantwortung meiner Mitarbeiter ist deutlich gestiegen. Darin sehe ich Vorteile, weil diese sich so besonders gut weiterentwickeln können.

Was waren denn Ihre Gründe für eine Reduzierung der Arbeitszeit? Und wie sind die Reaktionen Ihrer Partnerkollegen in der Kanzlei?

Ausgangspunkt war eine Vereinbarung mit meiner Frau, dass ich eben auch meinen Teil zur Familienorganisation beitrage. Sie ist Richterin und in ihrem Beruf ebenfalls sehr engagiert. Ich wollte außerdem Zeit mit meinen drei Kindern verbringen, solange diese noch klein sind. Die Reaktionen meiner Kollegen sind bisher ausnahmslos positiv. Wir haben ein sehr vertrauensvolles Klima unter den Partnern und ich schätze es sehr, dass mir diese Flexibilität ermöglicht wird.

Insgesamt bin ich froh, den Weg in die Teilzeit-Partnerschaft genommen zu haben. Dies gibt mir die Möglichkeit, meinen Beruf mit voller Kraft ausüben zu können, ohne dass ich Familie vernachlässigen muss.

DER REGIONAUT IST NOCH IN DER LERNPHASE