Mit flexiblen Arbeitszeiten lassen sich Interessen von Betrieben und Beschäftigten ausbalancieren

Man sitting on terrace and working on his laptop while on holiday vacation, freelancer lifestyle flexible mobile office

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Für Unternehmen gibt es zahlreiche Gründe, ihre Arbeitszeiten flexibel zu gestalten. Kunden erwarten heutzutage Beratung, Verkauf und Service möglichst rund um die Uhr. Mitarbeiter dagegen wünschen sich Freiräume, um vielfältige Lebenssituationen mit den beruflichen Anforderungen unter einen Hut zu bringen. Und die Firmen selbst brauchen Gestaltungsmöglichkeiten, mit denen sie beispielsweise auf schwankende Auftragslagen reagieren können. In einem gut konzipierten Arbeitszeitmodell gelingt es, den Anforderungen unserer digitalen Arbeitswelt gerecht zu werden und dabei die vielfältigen Interessen zu berücksichtigen.

Grundsätzlich versteht man unter flexiblen Arbeitszeiten alle Vereinbarungen, die von der Normalarbeitszeit abweichen. Das kann die Dauer oder die Lage betreffen. Wann und wie lange gearbeitet wird, beeinflusst viele betriebliche Prozesse, beispielsweise die Maschinenlaufzeiten, die Liefertreue, den Kundenservice oder die Qualitätssicherung. Gleichzeitig wirken sich Arbeitszeiten aber auch tiefgreifend auf das soziale Leben der Beschäftigten aus. Mit ihrer Regelung wird automatisch mitbestimmt, wie viel Spielraum für Familie, Freizeit und Erholungsphasen bleibt.

Zu viel Flexibilität hat für Betrieb und Mitarbeiter negative Folgen

Digitale Technologien ermöglichen es heute relativ einfach, Arbeit flexibel zu organisieren. Wird dies mit Augenmaß und Weitsicht genutzt, entstehen für alle Betroffenen wertvolle Chancen. Dass Arbeit fast immer und überall stattfinden kann, macht es jedoch auch zunehmend schwieriger, sein Privatleben davon abzugrenzen. Mitarbeitern, denen dies nicht gelingt, fehlt es früher oder später an Ausgleich und wichtigen Erholungspausen. Langfristig entstehen so Risiken für die Sicherheit, spürbare Leistungseinbußen und im schlimmsten Fall auch längere Ausfallzeiten. Ein ausgewogenes Arbeitszeitmodell muss deshalb nicht nur die betrieblichen Interessen berücksichtigen, sondern genauso engagiert die Gesundheit und das Privatleben der Beschäftigten schützen.

Viele Firmen haben ihre Arbeitszeit bereits flexibel organisiert. Modelle wie Gleitzeit, Schichtarbeit, Teilzeit, Kurz- und Mehrarbeit kommen fast überall zum Einsatz, Arbeitszeitkonten sind gängige Praxis. In einer agilen und digitalen Arbeitswelt gewinnen Modelle an Bedeutung, in denen die Mitarbeiter selbstverantwortlich arbeiten und keine Anwesenheitspflicht mehr besteht. Dazu gehören Arbeit auf Vertrauensbasis, Telearbeit und mobiles Arbeiten. Bei solchen Konzepten sollten die Beschäftigten dabei unterstützt werden, mit der neu gewonnenen Freiheit gut umzugehen. Ihr Erfolg hängt deshalb auch davon ab, wie die Konzepte im Detail ausgestaltet werden. Um ausreichend Erholung zu garantieren, braucht es jedenfalls in allen Systemen klare Konturen, die die Flexibilisierung begrenzen.

Gesetzliche Regelungen schaffen Sicherheit und Verbindlichkeit

Den Rahmen dafür setzt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG), das auch den Gestaltungsspielraum für die Vereinbarungen der Tarifparteien vorgibt. Es begrenzt die Arbeitszeit und lässt gleichzeitig Spielraum für flexible Regelungen. Relevanz hat auch das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), das eine Gefährdungsbeurteilung vorschreibt. Diese überprüft, ob Arbeitszeiten und Schichtpläne zu physischen oder psychischen Belastungen führen. Die Mitbestimmung der Arbeitnehmervertreter bei der Gestaltung der Arbeitszeiten regelt das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG).

Welches Arbeitszeitmodell für welchen Betrieb das richtige ist, lässt sich am besten gemeinsam mit allen Betroffenen beurteilen. Die Verantwortlichen sollten mit der Belegschaft, dem Betriebsrat und gegebenenfalls externen Experten diskutieren, wo die Stärken und Schwachstellen des aktuellen Arbeitszeitsystems liegen. In entsprechenden Workshops können auch die Bedürfnisse und Anforderungen an ein neues Konzept formuliert werden. Oft müssen sich die Beteiligten allerdings erst darüber informieren, welche Modelle zur Flexibilisierung es überhaupt gibt. Bei Ansätzen, in denen die Beschäftigten nicht mehr ausschließlich im Betrieb oder zu üblichen Kernzeiten arbeiten, sollte außerdem ein gemeinsames Verständnis davon entwickelt werden, was als Arbeit gilt.

Wer Veränderungen plant, muss die Menschen einbinden

Bevor ein konkretes Modell ausgewählt wird, ist es sinnvoll, die Ziele und alle Anforderungen in einem Pflichtenheft zusammenzufassen. Ist die Entscheidung für ein Konzept gefallen, sollte dieses zunächst für einen befristeten Zeitraum getestet werden. Daraufhin lässt sich mithilfe von Fragebögen und Workshops bewerten, inwiefern sich die Erwartungen erfüllt haben. Abschließend kann dann geklärt werden, ob das Arbeitszeitmodell, gegebenenfalls mit gewünschten Veränderungen, definitiv eingeführt werden soll. Die wesentlichen Eckpunkte des Arbeitszeitsystems werden festgehalten. Sie berücksichtigen die Gegebenheiten der jeweiligen Betriebe und regeln individuelle Aspekte wie beispielsweise die Zeiterfassung oder in welchem Zeitrahmen gearbeitet wird. Ein durchdachtes Konzept hat großen Einfluss darauf, wie effizient sich ein Betrieb organisieren kann und ob er in der Lage ist, auf Veränderungen kurzfristig zu reagieren. Es ist damit heutzutage ein besonders wichtiger Faktor, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Flexible Arbeitszeiten sind außerdem auch ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Arbeitgeberattraktivität. Denn immer mehr Mitarbeiter wollen statt einer Gehaltserhöhung lieber mehr Freiraum für die Familie und Zeit für ihre privaten Interessen.

DER REGIONAUT IST NOCH IN DER LERNPHASE