Firmen- und Führungskultur sind das Fundament

Der Kern einer lebensphasenorientierten Personalpolitik liegt darin, dass Unternehmensleitung, alle wichtigen Entscheidungsträger und die gesamte Belegschaft eines Betriebs den unterschiedlichen Lebenssituationen der einzelnen Mitarbeiter mit Wertschätzung begegnen. Denn alle Bestrebungen in Richtung Lebensphasenorientierung sind zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht auf dem Fundament einer entsprechenden Unternehmenskultur aufbauen. Zu Beginn ist es deshalb ausschlaggebend, dass die gesamte Führungsebene eine solche wertschätzende Grundhaltung verinnerlicht und diese auch konsequent lebt. Dazu kann es sehr hilfreich sein, die Lebensphasenorientierung im Leitbild des Unternehmens zu verankern.

Die Führungskräfte müssen betriebliche Belange und Mitarbeiterbedürfnisse ausbalancieren

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Darauf aufbauend müssen die Verantwortlichen dann die Beschäftigten für die unterschiedlichen Anforderungen in den einzelnen Lebenssituationen sensibilisieren. Wichtig ist es zudem, darauf zu achten, dass Mitarbeiter in besonders schwierigen Phasen nicht diskriminiert werden. Auch die Personalentscheidungen können deutlich machen, dass Brüche in einer Erwerbsbiografie vollkommen normal sind und Vielfalt in der Belegschaft ausdrücklich gewünscht ist. Ein erweiterter Familienbegriff, der gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Patchwork-Familien und Alleinerziehende beinhaltet, ist dafür Voraussetzung. Schritt für Schritt prägt sich so eine Unternehmenskultur, die die Mitarbeiter nicht nur als Funktionsträger sieht, sondern sie als ganze Menschen wahrnimmt, mit ihren beruflichen und privaten Erfahrungen, Zielen und Bedürfnissen.

Eine lebensphasenorientierte Unternehmenskultur kann nicht von oben verordnet werden

Das Führungsverhalten spielt dabei eine besonders wichtige Rolle, denn Vorgesetzte fungieren als entscheidende Schnittstelle. Sie müssen einerseits den wirtschaftlichen Zielen des Unternehmens gerecht werden und gleichzeitig für die Bedürfnisse und Rahmenbedingungen der Mitarbeiter sensibel sein. Da sie die Mitarbeiter am besten kennen, sind sie immer die ersten Ansprechpartner, um eine geeignete Lösung zur Vereinbarkeit von Lebens- und Berufsphasen zu suchen. Ob sie ein offenes Ohr für ihre Mitarbeiter haben und getroffene Vereinbarungen auch verlässlich einhalten, ist erfolgsentscheidend. Nur wenn die Beschäftigten Vertrauen zu ihren Vorgesetzten haben, werden sie auch Einblicke in ihr Privatleben gewähren.

Die Führungskräfte müssen deshalb gut auf die besonderen Anforderungen der Lebensphasenorientierung vorbereitet werden. Hilfreich sind spezielle Führungskreise, wo sie umfassend über das Konzept informiert werden und sich austauschen können. Genauso wichtig sind aber auch die passenden Rahmenbedingungen, damit die Vorgesetzten selbst die Anforderungen ihrer Führungsaufgabe und das Privatleben im Gleichgewicht halten können, beispielsweise durch eine vollzeitnahe Teilzeit.

Die Vorzüge einer Lebensphasenorientierung müssen konsequent nach innen und außen kommuniziert werden

Dass der Weg zu einer lebensphasenorientierten Personalpolitik mit einigen Hindernissen gepflastert sein kann, lässt sich trotzdem nicht ganz verhindern. Die dafür förderliche Unternehmens- und Führungskultur kann nicht einfach von oben verordnet werden. Sie lässt sich nur beeinflussen, indem die Führungsebene eine glaubwürdige Vorbildfunktion einnimmt und gleichzeitig die notwendigen organisatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Neuausrichtung der Personalpolitik braucht deshalb ausreichend Zeit, denn manchmal müssen dazu zunächst grundlegende Werte und Normen im Unternehmen verändert werden.

Für den nachhaltigen Erfolg des Konzepts ist es zudem sehr wichtig, dass die vielfältigen Lebenssituationen in der Belegschaft bereits bei grundlegenden unternehmerischen Planungen und Entscheidungen berücksichtigt werden. Außerdem sollte das Konzept der Lebensphasenorientierung rechtzeitig und umfassend in der Belegschaft kommuniziert werden. Denn erst wenn alle Mitarbeiter verstanden haben, um was es geht und vom Nutzen überzeugt sind, können die notwendigen Maßnahmen auch Wirkung zeigen.

Werden die Vorzüge der neuen personalpolitischen Strategie auch in der Öffentlichkeit publik gemacht, kann das Unternehmen dadurch als Arbeitgeber maßgeblich an Attraktivität gewinnen. Dies wird allerdings nur gelingen, wenn die Selbstdarstellung des Unternehmens auch tatsächlich mit der gelebten Unternehmenskultur übereinstimmt.

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