Für junge Eltern kann der Wiedereinstieg in den Beruf nach der Geburt eines Kindes eine besondere Herausforderung sein – gerade in einem technisch anspruchsvollen Umfeld. Nicht so bei Harro Höfliger. Beim weltweit tätigen Hersteller von Verpackungs- und Produktionsanlagen für die Pharma- und Medizintechnikindustrie sind flexible Arbeitsmodelle längst gelebte Praxis. Mit rund 2.300 Beschäftigten hat sich das Unternehmen aus Allmersbach im Tal in den letzten Jahren mehr als verdoppelt und schafft Bedingungen, die es ermöglichen, Familie und Karriere miteinander zu vereinbaren.
Führung und Expertise in Teilzeit
Dr.-Ing. Susanne Rösch ist ein Beispiel dafür, wie sich Leitungsverantwortung und reduzierte Arbeitszeiten verbinden lassen. Als Department Leader betreut sie die Simulation in der mechatronischen Maschinenentwicklung – eine Schlüsselposition. Für ihre Elternzeit bereitete sie einzelne Aufgaben so vor, dass Kolleginnen und Kollegen diese übernehmen konnten. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder kehrte sie mit 80 Prozent Arbeitszeit zurück und behielt ihre Führungsverantwortung. Mittlerweile arbeitet sie als Abteilungsleiterin in Vollzeit.
„Dass Führung in Teilzeit bei mir wunderbar funktionierte, lag an der Flexibilität des Unternehmens und meinem Team, das hervorragend mitzog“, berichtet Rösch. Auf diese Weise bleibt wertvolles Fachwissen im Haus, während neue Lebensphasen aktiv gestaltet werden können.
Neue Perspektiven schon vor der Elternzeit
Flexibilität beginnt nicht erst nach der Geburt eines Kindes. Mechatronikerin Nicole Hennecke war nach ihrer Ausbildung zunächst in der Produktion tätig. Während der Schwangerschaft durfte sie bestimmte Aufgaben dort nicht mehr ausüben. Um weiterhin arbeiten zu können, wechselte sie in die Verwaltung, wo ihr technisches Know-how ebenfalls gefragt war. Nach der Elternzeit wird sie dort mit reduzierter Arbeitszeit ihre Karriere fortsetzen – unterstützt durch gezielte Weiterqualifizierung und mobiles Arbeiten.
Arbeitsmodelle mit Spielraum
Das breite Spektrum an flexiblen Modellen hat sich bewährt. Brücken-Teilzeitverträge erlauben es Arbeitnehmenden zum Beispiel, ihre Arbeitszeit für einen festgelegten Zeitraum zu reduzieren und danach zur ursprünglichen Stundenzahl zurückzukehren. Bei Harro Höfliger sind sie bereits ab fünf Stunden pro Woche möglich, nach Bedarf kann aufgestockt werden. Mit Zeitwertkontos sammeln die Mitarbeitenden Stunden für längere Auszeiten – sei es für Familie, Weiterbildung oder persönliche Projekte. Darüber hinaus bietet der Arbeitgeber auch eine Kinderbetreuung und ein Kinderferienprogramm an.
„Wir entwickeln individuelle Lösungen für verschiedene Lebenssituationen und suchen immer Wege, die für beide Seiten ein Gewinn sind“, erklärt Eva Beutelspacher, Gruppenleiterin Personal-Recruiting. Zugleich räumt sie ein, dass in kundennahen Projekten Teilzeitmodelle oder Terminverschiebungen nicht immer ohne Weiteres umgesetzt werden können. Dennoch wird der Wunsch nach reduzierten Arbeitszeiten voraussichtlich in allen Bereichen und auf allen Ebenen zunehmen.
Jobsharing als nächster Schritt
Seit 2025 testet Harro Höfliger zusätzlich Jobsharing. Zwei Mitarbeiterinnen aus dem Personalbereich teilen sich eine 70-Prozent-Stelle und übernehmen gemeinsam Aufgaben im operativen Recruiting sowie in der Personalbetreuung. So lassen sich auch bei geringerem Stundenumfang verantwortungsvolle Aufgaben gestalten.
Mit diesen flexiblen Modellen zeigt Harro Höfliger, dass Familie und Karriere kein Widerspruch sind. Für Mitarbeitende wie Nicole Hennecke und Dr.-Ing. Susanne Rösch eröffnet sich eine Perspektive, in der berufliche Entwicklung und private Verantwortung Hand in Hand gehen – ein Gewinn für alle Beteiligten.
Quelle: Fachkräfte Region Stuttgart