Die Pinoy Pflege GmbH aus Fellbach-Oeffingen zeigt, wie erfolgreiche Fachkräfterekrutierung aus dem Ausland heute funktionieren kann: mit viel Geduld, einer klaren Wertebasis und einem starken Netzwerk – besonders in Richtung Philippinen. Rund die Hälfte der Belegschaft stammt inzwischen von dort. Für Geschäftsführer Reinhold Hauck ist das kein Zufall, sondern Ausdruck einer Philosophie, die auf Gemeinschaft, gegenseitiger Unterstützung und einer tief verankerten Wertschätzung beruht.
„Die Werte, die unsere philippinischen Mitarbeitenden mitbringen, passen zu uns – Freundlichkeit, Harmonie, Zuneigung, ein starker Familiensinn“, sagt Hauck. „Diese Haltung prägt auch unsere Arbeit. Pflege mit Herz ist bei uns nicht nur ein Slogan, das leben die Menschen tatsächlich.“
Von der Intensivpflege zum vielfältigen Pflegeangebot
Gegründet wurde Pinoy Pflege vor rund fünf Jahren als Intensivpflegedienst. Inzwischen umfasst das Unternehmen etwa 80 Mitarbeitende, darunter viele Auszubildende und FSJler. Drei Bereiche prägen den Betrieb heute: die ambulante Pflege, die außerklinische Intensivpflege und die Hauswirtschaft. Während die ambulante Pflege und die haushaltliche Versorgung aufgrund der notwendigen Mobilität stärker auf Mitarbeitende mit Führerschein angewiesen ist, ist die Intensivpflege von einer großen kulturellen Vielfalt geprägt. „Rechnet man unsere FSJler und Auszubildenden mit, kommen wir fast auf eine halbe Belegschaft aus den Philippinen“, erklärt Hauck.
Netzwerk, Werte und klare Strukturen
Der Weg zu dem philippinischem Schwerpunkt von Pinoy Pflege begann über Kontakte im Team – doch längst ist daraus ein zukunftsweisendes Netzwerk gewachsen. Viele philippinische Pflegekräfte bringen Erfahrung aus dem krankenhäuslichen Umfeld mit, sind gut ausgebildet und zeichnen sich durch eine familiäre, respektvolle Haltung aus, die im Betrieb sehr geschätzt wird.
Gleichzeitig kennt Pinoy Pflege die besonderen Herausforderungen: komplexe Behördenwege, lange Ausbildungszeiten im Herkunftsland und zum Teil strenge Ausreisebestimmungen. Jana Sander, die im Unternehmen viele der jungen Menschen begleitet, beschreibt die ersten Monate als entscheidend: „Für einige ist die Umstellung groß – neue Sprache, neue Umgebung, alles auf einmal. Manche finden schnell ihren Platz, andere brauchen etwas Zeit. Aber sobald sie angekommen sind, merkt man sofort, wie sie aufblühen.“
Sprachförderung als Schlüssel
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die sprachliche Vorbereitung. Pinoy Pflege lädt an der Pflege Interessierte zunächst für einen sechsmonatigen Sprachkurs nach Deutschland ein, finanziert Kurse vor Ort und unterstützt zusätzlich mit Alltagssituationen, etwa bei der Wohnungssuche oder bei Begegnungen in örtlichen Einrichtungen wie dem Seniorenheim. Gerade diese regelmäßigen Kontakte helfen beim Spracherwerb und Selbstvertrauen.
Wichtig ist dabei auch die enge Zusammenarbeit mit dem Welcome Service Region Stuttgart, der Pinoy Pflege bei vielen praktischen Themen unterstützt – von Fragen zu Visum und Aufenthalt über Behördenkontakte bis hin zur Orientierung in der Region. „Ohne solche Partner wäre das alles kaum leistbar“, so Hauck. „Der Welcome Service begleitet uns und die Fachkräfte durch viele bürokratische Schritte.“
Schritt für Schritt in den Pflegeberuf
Nach dem Sprachkurs absolvieren viele zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Deutschland – ein wichtiger Übergang, um Sprache und Praxis zu festigen. Anschließend beginnt die dreijährige generalistische Pflegeausbildung oder die Ausbildung zum Altenpflegehelfer. Auch die Weiterbildung im Betrieb, die durch das Qualifizierungschancengesetz gefördert wird, unterstützt Pinoy Pflege. Die Anforderungen sind dabei überall hoch, der Bedarf an gut vorbereiteten Auszubildenden ebenso.
Pinoy investiert deshalb viel in die Praxisanleitung: „Wir begleiten unsere Leute intensiv“, erklärt Hauck. „Nur wenn die Sprache sitzt und die Strukturen klar sind, können sie die Ausbildung erfolgreich abschließen.“ Die Kombination aus familiärer Begleitung, klaren Abläufen und kontinuierlichen Weiterbildungen ist für Jana Sander ein Erfolgsrezept: „Die jungen Leute entwickeln sich mit der Zeit immer weiter. Und sie bringen häufig eine Herzlichkeit mit, die man niemandem beibringen kann.“
Gemeinschaft als Erfolgsfaktor
Was Pinoy Pflege besonders macht, ist das Konzept der gelebten Gemeinschaft. Familienähnliche Strukturen prägen nicht nur den Umgang miteinander, sondern auch die Beziehung zu den Patientinnen und Patienten. „Zwischen vielen unserer Senioren und den jungen Pflegekräften entsteht sehr schnell ein herzliches Miteinander“, erzählt Sander.
Für Hauck steht fest: Der Einsatz lohnt sich nicht nur menschlich, sondern auch fachlich. „Wir gewinnen hochmotivierte Menschen, die bleiben wollen – und die sich mit dem Beruf identifizieren.“
Ein Modell, das Perspektiven schafft
In einer Zeit, in der der Fachkräftemangel die Pflegebranche stark belastet, zeigt Pinoy Pflege, wie nachhaltige Rekrutierung funktionieren kann: kulturell sensibel, gut begleitet und mit starken regionalen Partnern. Der Welcome Service Region Stuttgart spielt dabei eine wichtige Rolle – als Orientierungspunkt für internationale Fachkräfte und als Wegbereiter für Unternehmen wie Pinoy Pflege.
„Wir wollen Perspektiven schaffen – für die Menschen, die zu uns kommen, und für die Pflege insgesamt“, sagt Hauck. „Und wir sehen jeden Tag, dass dieser Weg funktioniert.“




Fotos: © Pinoy Pflege GmbH
Quelle: Fachkräfte Region Stuttgart