Von der Manufaktur zum Industriebetrieb – ein Neubau und seine positiven Folgen

Mit einem außergewöhnlichen Neubau hat der Sondermaschinenbauer Philipp Hafner in der Öffentlichkeit sehr viel Aufmerksamkeit erregt. Seither wird das Fellbacher Unternehmen nicht nur von vorbeifahrenden Autofahrern, sondern auch von potenziellen Bewerbern und seinen Geschäftspartnern neu wahrgenommen. Darüber hinaus gibt es auch intern vielfältige Auswirkungen, die das Projekt zu einer lohnenden Investition machen.

Innovativer Neubau

Fotos: Philipp Hafner GmbH & Co. KG

Durch seine Form und die glänzende Metallfassade erinnert das Firmengebäude an ein gefrästes Werkstück und vermittelt bereits beim Vorbeifahren einen ersten Eindruck vom Innenleben des Familienunternehmens. Hafner fertigt hoch präzise Sondermaschinen, die Toleranzen im Tausendstel-Millimeter-Bereich vermessen Die Entscheidung für den Neubau in der Fellbacher Blumenstraße fiel, weil das Unternehmen am alten Standort aus allen Nähten platzte. Das war zu Beginn des Jahres 2012.

In einer Word-Datei begann die Eigentümerfamilie damit, ihre Ideen für den Neubau zu sammeln. Ein halbes Jahr später lag ein 50-seitiges Lastenheft auf dem Schreibtisch des Seniorchefs Paul Böhringer, das detaillierte Anforderungen an Gestaltung, Größe, Funktion und Ausstattung sowie den Budgetrahmen beschrieb. Es fasste nicht nur die Vorstellungen der Unternehmensleitung zusammen, sondern enthielt auch die Wünsche der Führungskräfte und Mitarbeiter. Entstanden war der Anforderungskatalog im Rahmen zahlreicher Workshops und vieler Einzelgespräche. „Wir haben konkret danach gefragt, wie sich die Belegschaft ihre künftigen Arbeitsplätze vorstellt und was zur aktuellen Situation verbessert werden kann“, erläutert die geschäftsführende Gesellschafterin Ulla Böhringer. Für ihren Vater war das Projekt bereits in den ersten sechs Monaten zu einem Vollzeitjob geworden.

Die gesamte Firmenleitung war sich darin einig, dass beim Neubau Funktionalität und Ästhetik gleichermaßen eine Rolle spielen sollten. Unter dem Motto „Hier will ich arbeiten“ wollten die Verantwortlichen Arbeitsraum schaffen, in dem ihre Mitarbeiter Bestleistungen erbringen und sich gleichzeitig wohlfühlen würden. Zusätzlich sollten interessante Bewerber aus der umliegenden Region auf das Unternehmen aufmerksam gemacht werden.

Die Planungsphase startete Mitte 2012 mit einem Architektenwettbewerb. Zu den Gewinnern zählte das Kölner Architekturbüro Gernot Schulz, das im darauffolgenden Jahr mit der Detailplanung beauftragt wurde. Das Konzept der Rheinländer konnte unter anderem dadurch überzeugen, dass es vielfach Bezug auf die Firmenkultur von Hafner nahm. Transparenz sowie eine offene und direkte Kommunikation zählen zu den wichtigsten Werten des Maschinenbauers. Passend dazu war als Kernstück des Gebäudes eine Kommunikationsachse geplant worden, die den Innenraum gliedert und eine enge Verbindung von Produktion, Entwicklung und Verwaltung bewirkt. Zusätzlich sollten große Glasflächen für vielfältige Ein- und Durchblicke sorgen und ermöglichen heute beispielsweise den Blickkontakt zwischen Vertrieb und Montage, während die Mitarbeiter miteinander telefonieren. Wo sich die Fußwege zwischen den verschiedenen Abteilungen kreuzen, wurden Pausenzonen und Besprechungsmöglichkeiten geschaffen. Die zentral gelegene (M)Essbar entwickelte sich nach der Inbetriebnahme schnell zu einem beliebten Ort, an dem sich die Mit-arbeiter treffen und austauschen. Kunden und Belegschaft betreten das Gebäude über zwei sich gegenüberliegende Eingänge, die somit die gleichermaßen hohe Mitarbeiter- und Marktorientierung des Unternehmens spiegeln.

Ausgelöst durch das Bauprojekt wurde bei Philipp Hafner eine Vielzahl sinnvoller Verbesserungsprozesse in Gang gebracht. Der Sondermaschinenbauer konnte nicht nur die internen Laufwege, sondern auch den Informationsfluss und die Zusammenarbeit optimieren. Auf besonderen Wunsch der Mitarbeiter wurden auch ungewöhnliche Ideen wie das Fahrradhaus mit Zugangssystem realisiert. „Letztendlich haben wir uns durch den Neubau weiter professionalisiert und damit den Übergang von der Manufaktur zum Industriebetrieb markiert“, fasst Ulla Böhringer den Nutzen zusammen.

Ulla Böhringer, Geschäftsführende Gesellschafterin

Ulla Böhringer, Geschäftsführende Gesellschafterin

»Besonders wichtig war es uns, die Mitarbeiter über den gesamten Planungs- und Bauprozess hinweg zu beteiligen und auf dem Laufenden zu halten. Gelohnt hat sich auch die zusätzliche Einbindung verschiedener Fachplaner, beispielsweise bei der Beleuchtung und Medientechnik. Trotzdem gab es nach dem Einzug im Juni 2015 auch negative Rückmeldungen, beispielsweise wegen der Klimatechnik, die sich erst noch einspielen musste. Nachbesserungen, die sich im Laufe der Nutzung als notwendig herausstellen, sollten von vornherein mit eingeplant werden. Dass heute alle rundum zufrieden sind, liegt besonders an meinem Vater, der mit sehr viel Herzblut und bis ins letzte Detail daran gefeilt hat, bis alles passte.«

DER REGIONAUT IST NOCH IN DER LERNPHASE