Teilzeit im Marienhospital: „Auch immer mehr Ärzte wünschen sich reduzierte Arbeitszeiten“

Foto: Marienhospital Stuttgart

Obwohl das Stuttgarter Marienhospital aktuell noch keinen Fachkräftemangel zu verzeichnen hat, beschäftigt sich Sabine Bauknecht intensiv damit, wie die Versorgung der Klinik mit qualifiziertem Personal in der Zukunft gelingen kann. Die Diplom- Kauffrau leitet den Geschäftsbereich Personal der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, zu dem auch das katholische Krankenhaus gehört. Ihr Wirkungskreis betrifft das ärztliche Personal genauso wie den gesamten Pflegebereich oder die Verwaltungsmitarbeiter der Klinik. Als Personalmanagerin versteht sie sich in erster Linie als Dienstleisterin für die 1700 Beschäftigten des Hauses und setzt sich engagiert dafür ein, möglichst attraktive Arbeitsbedingungen für die Klinikbelegschaft zu schaffen. Dadurch soll das Haus auch für potenzielle Bewerber attraktiv bleiben. Flexible Arbeitszeitmodelle sind ein zentrales Instrument für die erfahrene Personalverantwortliche – für sie spielen verschiedene Blickwinkel eine Rolle:

Um den künftigen Bedarf an Fachkräften im Gesundheitsbereich zu decken, wird es an Bedeutung gewinnen, die Ressourcen der vielen weiblichen Mitarbeiter im ärztlichen sowie im Pflegebereich noch besser auszunutzen. Mit individuellen Teilzeitregelungen schafft die Klinik deshalb die Voraussetzungen, um Frauen den Wiedereinstieg nach der Familienphase zu erleichtern. Eine wichtige Rolle spielen solche reduzierten Beschäftigungsverhältnisse zudem für Mitarbeiter, die sich berufsbegleitend weiterqualifizieren wollen. Auch untern dem Blickwinkel der Gesundheitsvorsorge und einer ausgeglichenen Work-Life-Balance wünschen sich immer mehr Beschäftigte der Klinik eine Reduzierung der Arbeitszeiten – dazu gehören zunehmend auch Fachkräfte und Ärzte. Hoch qualifizierte Spezialisten und Führungskräfte sind vor allem an vollzeitnahen Teilzeitmodellen interessiert, um mehr Freiraum für Privatleben und Erholung zu gewinnen.

»Die leitenden Mediziner stellen eine überdurchschnittliche Motivation ihrer Teilzeitmitarbeiter fest.«

Aktuell arbeiten rund 19 Prozent der Ärzte, 36 Prozent der Verwaltungsmitarbeiter und 44 Prozent der Pflegekräfte in Teilzeit. Besonders stolz ist Sabine Bauknecht darauf, dass es zwischenzeitlich auch Oberärzte im Klinikverbund gibt mit einem 80-Prozent-Vertrag. Die intensive Überzeugungsarbeit der Personalreferentinnen und der Personalleiterin der letzten Jahre trägt Früchte. Die leitenden Mediziner schätzen heute an den Teilzeitmöglichkeiten den zusätzlich gewonnenen Spielraum, um ihre besten Spezialisten zu binden und begehrte Nachwuchsmediziner zu rekrutieren, und stellen eine überdurchschnittliche Motivation ihrer Teilzeitmitarbeiter fest.

Vor Jahren vertrat Sabine Bauknecht selbst die Auffassung, dass Führung nur in Vollzeit erfolgreich gelingen kann. Dies hat sich geändert und wurde durch eine persönliche Erfahrung, die sie nicht ganz freiwillig gemacht hat, bestätigt. Ende 2013 hatte die Personalchefin aufgrund einer Erkrankung fast noch ihren halben Jahresurlaub zur Verfügung. Um eine längere Abwesenheit zu vermeiden, entschied sie sich dafür, diese Urlaubstage im Rahmen einer 4-Tage-Woche abzubauen. Über mehrere Monate leitete sie ihr 40-köpfiges Team daraufhin in Teilzeit. Heute kann sie deshalb ganz praktisch beurteilen, wie Führung in Teilzeit gelingen kann. Sie betont, wie wichtig es dabei ist, Verantwortung zu delegieren und die Rahmenbedingungen klar zu regeln. Denn nur, wenn auch das Umfeld die reduzierte Anwesenheit der Führungskraft mitträgt, wird die Teilzeitregelung zum Erfolg.

DER REGIONAUT IST NOCH IN DER LERNPHASE