„In eine flexible Arbeitskultur zu investieren, zahlt sich auch wirtschaftlich aus“

Talente 2,18-grafik-win-win-weiss-projektgruppe

Als einer der ersten Arbeitgeber führte Robert Bosch 1906 den Acht-Stunden-Tag ein. Der Gründer des gleichnamigen Technologiekonzerns engagierte sich sein Leben lang für gute Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten.Bis heute prägt sein Geist das Unternehmen, das sich ausdrücklich zu einer flexiblen und familienbewussten Arbeitskultur bekennt. Das nutzt der Belegschaft und bringt auch wichtige betriebliche Vorteile.

„Wir suchen gemeinsam nach individuellen Lösungen, von denen beide Seiten profitieren“, steht unter anderem in den Unternehmensleitlinien geschrieben. Mit dieser Haltung sorgt Bosch dafür, dass eine flexible Arbeitskultur zunehmend selbstverständlich wird. An eine Win-win-Situation zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitern glaubte auch schon der Firmengründer: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle.“ Statt einer besseren Bezahlung wünschen sich viele Mitarbeiter heute lieber mehr Spielraum, um ihre beruflichen Ziele und privaten Aufgaben besser zu vereinbaren. Auch die Bosch-Führung ist davon überzeugt: Mehr Flexibilität ist gut für das Unternehmen. Weil zufriedene Mitarbeiter kreativer, innovationsfreudiger und leistungsfähiger sind. Aber auch, weil es sonst gar nicht möglich wäre, das wertvolle Potenzial von Menschen zu erschließen, die zu Hause Kinder betreuen oder Angehörige pflegen müssen oder einfach Zeit für Hobbys und ehrenamtliche Tätigkeiten haben möchten.

Mehr als 100 Arbeitszeitmodelle für eine vielfältige Belegschaft

2013 wurden die ersten Leitlinien für eine flexible und familienbewusste Arbeitskultur formuliert. Ein Jahr später folgten vereinfachte Regelungen für mobiles Arbeiten. Seither können die Bosch-Mitarbeiter Arbeitsort und -zeit frei wählen, wenn es ihre Tätigkeit zulässt. Damit auch die technischen Voraussetzungen stimmen, hat das Unternehmen zusätzlich rund 800 Millionen Euro investiert, um seine weltweit 240.000 Bildschirm-Arbeitsplätze mit modernster Software auszustatten. Zwischenzeitlich gibt es bei Bosch mehr als 100 Arbeitszeitmodelle. Sie reichen von Schichtarbeit über Teilzeit in unterschiedlichem Stundenumfang und Jobsharing bis hin zum mobilen Arbeiten vom Homeoffice oder anderen Standorten aus. Fast uneingeschränkt einsetzbar sind diese Konzepte für alle Verwaltungs-, Forschungs- und Bürobereiche. Für die rund 2.000 Experten des IT-Headquarters in Feuerbach ist es heute bereits völlig normal, zeitlich flexibel zu arbeiten und ihre Aufgaben am Rechner nicht nur im Büro, sondern von zu Hause, unterwegs oder im Café zu erledigen.

Talente 2,18 Sandra Rathmann, Robert Bosch GmbH

Sandra Rathmann, Robert Bosch GmbH

Vertrauen spielt eine wichtige Rolle. Wir machen die Erfahrung, dass die allermeisten Mitarbeiter die  angebotenen Möglichkeiten verantwortungsvoll nutzen und ihren Job
gut machen wollen. Der persönliche Bedarf an Flexibilität darf außerdem kein Hemmschuh für die Karriere sein. Deshalb schreiben wir alle Stellen grundsätzlich in Teilzeit aus. Ausnahmen sind nur möglich, wenn sie gut begründet werden.

Doch auch in der Fertigung bemüht sich der Technologiekonzern darum, flexiblere Bedingungen zu realisieren. „Zwar kann ein Facharbeiter unsere Einspritzpumpen nicht freitags zu Hause in der Garage montieren“, so Dr. Gregor Heemann, Personalleiter von Bosch Powertrain Solutions. „Im Rahmen der festen Schichtzeiten versuchen wir aber auch hier, Teilzeit zu ermöglichen.” Mehr Flexibilität schafft zudem eine App, mit der der verantwortliche Meister in kurzer Zeit seine ganze Truppe erreichen und Ersatz suchen kann, wenn jemand ausfällt.

Eine neue Arbeitskultur kann nicht von oben verordnet werden

Flexible Konzepte brauchen Führungskräfte, die mitziehen und Leistung an Arbeitsergebnissen und nicht an der Anwesenheit ihrer Mitarbeiter messen. Um Vorbehalte abzubauen, setzte Bosch auf Vorbilder, die neue Ansätze ausprobieren und ihre Erfahrungen weitertragen. Im Rahmen des Projekts MORE (Mindset Organisation Executives) wurden Mitarbeiter in leitenden Funktionen dazu eingeladen, flexibles Arbeiten zu testen und für mehrere Wochen entweder in Teilzeit oder einen Tag pro Woche im Homeoffice zu arbeiten. Von den mehr als 1.000 Teilnehmern behielten viele ihr gewähltes Arbeitsmodell langfristig bei.

Dr. Gregor Heemann, Robert Bosch GmbH

Dr. Gregor Heemann, Robert Bosch GmbH

Flexibilität muss vom Management authentisch vorgelebt werden. Dafür braucht es Mut und auch die Bereitschaft, Kontrolle abzugeben. Es ist beeindruckend, wie schnell vieles zur  Normalität geworden ist. Vor nicht allzu langer Zeit war eine Führungskraft in Teilzeit noch unvorstellbar. Heute kann ich aus dem Stand mehrere Kolleginnen und Kollegen in Führungspositionen, auch auf Leitungsebene, aufzählen, die von flexiblen Arbeitsbedingungen
Gebrauch machen.

Unterstützt wird der Wandel durch intensive Kommunikation, die den Sinn und die Vorteile von mehr Flexibilität ins Bewusstsein der Belegschaft rückt. Auch veränderte Raumkonzepte spiegeln die Veränderungen wider: Viele Mitarbeiter haben heute keinen festen Arbeitsplatz mehr. Wenn sie im Betrieb sind, suchen sie sich einen passenden Ort, der für die jeweilige Tätigkeit wie auch Besprechungen ideale Bedingungen bietet. Dafür stehen Kreativräume, Ruhezonen oder Loungebereiche, aber auch Einzelarbeitsplätze zur Verfügung.

DER REGIONAUT IST NOCH IN DER LERNPHASE