„Flexibilität braucht Verbindlichkeit im Team“

AOK Baden-Württemberg

AOK Baden-Württemberg

Arbeitsbedingungen, mit denen sich Beruf und Privates gut vereinbaren lassen, stehen seit Langem im Fokus der AOK Baden-Württemberg. Seit 2005 können die AOK-Beschäftigten ihre Arbeitszeiten flexibel organisieren, um sich dadurch Freiräume für Familie und private Interessen zu schaffen. Flankierende Angebote zu mobiler Arbeit und Telearbeit bringen weitere Flexibilität.

Mit einem Marktanteil von 44 Prozent ist die AOK Baden-Württemberg Marktführerin unter den gesetzlichen Krankeversicherungen im Land. Ihr Aufgabenspektrum umfasst Leistungen der medizinischen Versorgung und Pflege, aber auch umfassende Angebote in der Gesundheitsförderung und -vorsorge. Neben der Stuttgarter Hauptverwaltung gehören 14 Bezirksdirektionen mit rund 230 Kundencentern zum Unternehmen, in denen sich die Mitglieder persönlich beraten lassen können. Mit insgesamt 10.600 Mitarbeitern zählt die Organisation zu den großen Arbeitgebern im Land. Sie beschäftigt sich seit Langem damit, wie sich Beruf und Familie möglichst gut vereinbaren lassen, allein deswegen, weil drei Viertel ihrer Belegschaft weiblich sind. 2011 wurde die Gesundheitskasse erstmals als familienfreundlicher Arbeitgeber mit dem „audit berufundfamilie“ zertifiziert. Dies war gleichzeitig auch der Einstieg in eine lebensphasenorientierte Personalpolitik. Die Arbeitszeiten spielen dabei eine besonders wichtige Rolle, um die individuellen Lebenssituationen der Beschäftigten noch besser zu berücksichtigen.

Den Wunsch nach flexibler Arbeit gibt es in allen Lebensphasen

2005 wurde erstmals ein einheitliches Arbeitszeitsystem für die gesamte Organisation eingeführt. Auf Grundlage der tariflichen Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden galt nun ein täglicher Arbeitszeitrahmen von 6:30 bis 19 Uhr, für spezielle Bereiche wie den Vertrieb gibt es Sonderregelungen. Seither können die Mitarbeiter in der definierten Spanne Arbeitszeit und Pausen frei gestalten. Damit der Betrieb und die Zusammenarbeit trotzdem reibungslos funktionieren, sind Absprachen im Team wichtig. Abhängig von der konkreten Arbeitsaufgabe werden gemeinsam mit der Führungskraft Spielregeln und Eckpunkte, wie die Erreichbarkeit, den Austausch von Informationen oder gegenseitige Vertretungen für alle verbindlich vereinbart.

Tanja Bühler, AOK Baden-Württemberg

Tanja Bühler, AOK Baden-Württemberg

Um als agiles und immer digitaler werdendes Unternehmen weiter erfolgreich zu sein, ist eine Vielfalt an Lösungen gefragt. Wir legen Wert darauf, die Lebenssituation und die Flexibilisierungswünsche des Einzelnen zu berücksichtigen, bei der Gestaltung von Lösungen aber auch den Bedarf des ganzen Teams im Blick zu haben. Dabei helfen uns das kollegiale Klima in der Belegschaft und die große Bereitschaft jedes Einzelnen, sich sehr stark in die Organisation einzubringen. Wichtig ist es, stabile Eckpunkte im Team zu vereinbaren, die für alle verbindlich sind.

Auf individuellen Zeitkonten lassen sich bis zu 100 Plus- und bis zu 25 Minusstunden ansammeln. Davon profitieren beide Seiten: Arbeitsspitzen können gut bewältigt werden und die Mitarbeiter können zum Ausgleich tageweise kürzer arbeiten oder sogar ganze Tage freinehmen. Über eine Ampelfunktion hat die Führungskraft die Arbeitszeitkonten stets im Blick. Weil die Bedürfnisse der Mitarbeiter vielfältiger werden, denkt das Unternehmen über eine weitere Flexibilisierung durch die Einführung von Zeitwertkonten nach. Arbeitszeit könnte dann auch über einen längeren Zeitraum angespart und später für eine Auszeit oder einen früheren Eintritt in den Ruhestand genutzt werden.

Aktuell sind rund 40 Prozent der AOK Mitarbeiter teilzeitbeschäftigt. Auch 12 Prozent der Führungskräfte arbeiten in Teilzeit – entweder in reduzierter Vollzeit oder im Jobsharing. Der durchschnittliche Arbeitsumfang bei Teilzeitführung liegt bei 70 Prozent der Normalarbeitszeit. Dabei ermutigt die Gesundheitskasse ihre Beschäftigten aktiv, ihre berufliche Entwicklung auch bei einer Teilzeitbeschäftigung voranzubringen. Warum sich die AOK-Mitarbeiter variable oder kürzere Arbeitszeiten wünschen, hat häufig familiäre Gründe. Weitere Anlässe sind zum Beispiel gesundheitliche Probleme, die Übernahme eines Ehrenamts, Weiterbildungen oder Freizeitinteressen. So vielfältig wie diese Bedürfnisse gestalten sich die individuellen Lösungen. Weil auch die AOK ihre Prozesse zunehmend digital organisiert, werden dafür mobiles Arbeiten und Telearbeit immer wichtiger.

Flexibilisierung ist Bestandteil der Führungskräfteentwicklung

Dass die Leitungsebene für den Erfolg flexibler Arbeitszeitmodelle eine zentrale Rolle spielen würde, war den Verantwortlichen von Anfang an bewusst. Die Flexibilisierung und die Gestaltung individueller Lösungen im Team sind daher wichtige Themen in der Führungskräfteentwicklung. Ein neues Kompetenzmodell sorgt heute dafür, dass das Leitungspersonal wichtige Fähigkeiten mitbringt, um die Vielfalt der Wünsche und Anforderungen gut steuern zu können. Leitfäden bieten Führungskräften Hilfestellung, um die Abstimmung in den Teams professionell zu moderieren.

DER REGIONAUT IST NOCH IN DER LERNPHASE