Gleichgewichtssinn gefragt – Gelungene Führung bietet Freiraum und Orientierung

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Wer bei Google den Begriff „Gute Führung“ eingibt, bekommt knapp 500.000 Ergebnisse angezeigt. Ganz offensichtlich gibt es unzählige Auffassungen dazu, was die Aufgaben einer Führungskraft sind und wie sie diese optimal erfüllen sollte. Die Vorstellungen von gelungener Führung stehen immer auch im Zusammenhang mit dem Umfeld, in dem sie stattfindet. Ungeachtet dessen sind sich die Verfechter unterschiedlicher Stile einig: Beim Führen geht es letztendlich darum, die Mitarbeiter so zu steuern, dass das Unternehmen oder die Organisation erfolgreich ist.

Gesellschaft und Arbeitswelt haben sich in den vergangenen Jahren sehr stark verändert. Demzufolge gibt es eine Vielzahl neuer Herausforderungen, denen sich Vorgesetzte im Rahmen ihres Führungsauftrags stellen müssen: Weil junge Talente rar sind, treten heutzutage bereits Berufsanfänger im Bewerbungsgespräch selbstbewusst auf. Deren Vorstellungen hat die Führungskraft oft mit zwei weiteren Mitarbeitergenerationen abzugleichen, die aufgrund der längeren Lebensarbeitszeit ebenfalls in ihrem Team vertreten sind. Alle wünschen sich passende Rahmenbedingungen – den Versuch, ihnen gerecht zu werden, nennt man Anforderungsmanagement.

Führen heißt vielfältige Anforderungen zu managen

Zwar helfen dabei digitale Technologien, weil sie ermöglichen, die Arbeit hinsichtlich Ort und Zeit flexibler zu organisieren Aber sie führen gleichzeitig zu neuen Anforderungen, denn auch virtuell zusammenarbeitende Teams brauchen ein gemeinsames Verständnis von Flexibilität und Verbindlichkeit. Dieses zu schaffen, ist äußerst anspruchsvoll. In Zeiten von Globalisierung und Diversität sind Teammitglieder nicht nur in verschiedensten Lebensphasen, sondern unterscheiden sich oft auch hinsichtlich Nationalität, kulturellem Hintergrund, Religion oder Geschlecht. Nicht leichter wird es dadurch, dass sich Führungskräfte gleichzeitig auch noch um Kunden, Märkte oder Innovationen kümmern müssen. Die Märkte sind unberechenbar, die Auftraggeber anspruchsvoll und das bei einem Veränderungstempo, das den Atem raubt.

Die Rollenverteilung zwischen Mitarbeitern und Führungskräften ändert sich

Mit traditionellen Methoden, bei denen die Vorgesetzten ihre Mitarbeiter anweisen, lassen sich diese Anforderungen nicht mehr bewältigen. Schon längst sind Führungskräfte auch nicht mehr die allwissende Instanz, die für jedes Problem den Lösungsweg kennt. Wissen ist in unserer komplexen Welt zum maßgeblichen Erfolgsfaktor geworden. Deshalb brauchen Firmen das Know-how und die breite Erfahrung ihrer gesamten Belegschaft. Wenn die Mitarbeiter aber zu Beratern und Mitentscheidern werden sollen, muss die Führungsrolle zwangsläufig umgeschrieben werden. Führung, die die Zukunft des Unternehmens im Sinn hat, sollte die Menschen im Betrieb motivieren, fördern und den notwendigen Rahmen schaffen, damit diese ihre Potenziale bestmöglich im gemeinsamen Interesse entfalten können.

Es gibt keine Blaupause dafür, was künftig Chefsache ist und welche Rolle die Mitarbeiter spielen sollen. Dazu sind die Voraussetzungen und Erfordernisse in unterschiedlichen Branchen und Betriebsgrößen zu vielfältig. Eine sinnvolle Rollenverteilung zwischen Führungskraft und Geführten kann immer nur passend zu den spezifischen Rahmenbedingungen ausgehandelt werden. Ideen dazu bieten Führungsansätze, die sich zum Beispiel mit agilen Methoden, dem Führen durch Vorbild und humanistischen Wertvorstellungen auseinandersetzen.

Ein perfektes Rezept für gute Führung gibt es nicht

Grundlage fast aller gegenwärtig diskutierten Konzepte ist die Einsicht, dass gute Führung den Menschen in den Mittelpunkt stellen muss. Unternehmen können ihre Ziele heute nur noch erreichen, wenn sich die Mitarbeiter mit ihrem ganzen Potenzial einbringen. Dafür brauchen diese das Vertrauen der Führungskräfte und Freiräume, um selbstverantwortlich agieren zu können. Ein Team, das sich im Sinne seines Arbeitgebers verhalten soll, muss dessen Gesamtsituation überblicken und verstehen, wie jeder Einzelne zum Betriebserfolg beitragen kann. Transparenz und Sinn zu vermitteln, ist deshalb ein weiterer wesentlicher Aspekt des modernen Führungsverständnisses. Gleichzeitig haben Vorgesetzte die wichtige Aufgabe, klare Orientierung zu geben und dafür zu sorgen, dass die vielfältigen Kompetenzen im Sinne des Unternehmenserfolgs gebündelt werden. Gut zu führen wird somit automatisch zum Balanceakt zwischen den Polen Flexibilität und Stabilität. Auf der Suche nach der perfekten Mischung sind Vertrauen, Transparenz und Selbstverantwortung unverzichtbare Zutaten, ebenso wie Ziele, klare Strukturen und verbindliche Absprachen. Das genaue Rezept für gutes Gelingen muss sich daraus jede Führungskraft selber mischen.

DER REGIONAUT IST NOCH IN DER LERNPHASE